Über mich, den Autor

profilbild1936 wurde ich in Mainz geboren. Nach dem Abitur studierte ich Maschinenbau an der TH Darmstadt von 1957 bis 1962 und arbeitete nach dem Diplom 32 Jahre in der deutschen und zwei Jahre in der US-Industrie. Später machte ich mich als beratender Ingenieur selbständig.

Dann zog ich mich aus meinem Beruf zurück, um mich den Themen zuzuwenden, die mich viel eher interessierten: Ich baute meine Modelleisenbahn fertig, lernte Keyboard spielen, fing an zu malen, intensivierte meine sportlichen Aktivitäten und wandte mich den Umweltbewegungen und der Politik zu. Meine dort gemachten Erfahrungen führten mich zu den Themen, die ich in diesem Buch bearbeite. Ich habe zwei Töchter.
Mit den manchen Buchthemen habe ich mich schon früher – etwa in gemalten Bildern – beschäftigt. Hier füge ich zwei ein.
Weitere Bilder finden Sie unter „Meine Bilder zu Buchthemen“

"Restgrün"

„Restgrün“

"Dosenpfand"

„Dosenpfand“

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Meine (jüngere) Tochter Brenda ist Redakteurin bei der „Welt am Sonntag“ – „ICONIST“ – und interviewte mich. Hierzu fuhr ich mit meinem Ebike in 6 Tagen dorthin.

<Papa, wie bist du so fit und jung – wie machst du das?

Dietrich Strohmaier, 80, ist 800 Kilometer geradelt, um mit seiner Tochter Brenda über Fitness im Alter, Motiviation und volles Haar zu plaudern. Und Bilanz zu ziehen: Gesundheit geht immer vor Arbeit.

Jetzt sitzen wir wieder an diesem runden weißen Tisch, Papa und ich. Früher haben wir morgens, mittags, abends daran gegessen, damals, als wir noch Familie A, B, C, D Strohmaier waren. Anja, Brenda, Christl, Dieter. Meine Eltern sind längst geschieden, meine Schwester lebt in Norwegen, der Tisch, der schon Bayern, Hessen und das Saarland überstand, wohnt jetzt bei mir in Berlin. Und mein Vater, der uns beim Essen mit Ernährungsweisheiten nervte, hippelt energiegeladen auf seinem Stuhl herum. Kaum zu glauben, dass er 80 sein soll. Genau deshalb will ich nun von ihm wissen, wie man so lange jung bleibt.

ICONIST: Pa, kannst du aufhören Studentenfutter aus der Rascheltüte zu futtern? Das macht so viel Krach auf dem Aufnahmegerät.

Dietrich Strohmaier: Okay, sorry, hab ja noch nie ein Interview gegeben.

ICONIST: Aber du warst doch mal im Fernsehen, als Ober-Öko. Damals hattest du deinen Kühlschrank im Winter einfach ausgeschaltet und auf die Terrasse gestellt, um Strom zu sparen.

Strohmaier: Ach so. Stimmt. Ich war auch mal im Magazin „Chrismon“, weil ich aus Umweltschutzgründen nicht fliege.

ICONIST: Dafür bist du gerade mit dem Fahrrad aus dem Saarland nach Berlin geradelt. Warum eigentlich?

Strohmaier: Ich habe mir zum 80. ein Elektrobike gegönnt. Eigentlich, damit ich mich bei Touren am Berg nicht mehr plagen muss. Aber nun wollte ich das mal richtig ausfahren und sehen, was ich damit noch bringe, wenn ich Stoff gebe. 150, 160 Kilometer schaffe ich am Tag.

Nur für Rentner und faule Menschen?

ICONIST: Kennst du eigentlich noch jemanden in deinem Alter, der fitter ist als du?

Strohmaier: Nur vom Lesen. Vor ein paar Monaten ist doch ein 105-jähriger Franzose in der Halle 22 Kilometer in einer Stunde geradelt. Das schaffe ich nicht. Aber beim letzten Abitreffen war ich der fitteste. Ich fühle mich wirklich noch saugut.

ICONIST: Was ist denn dein Geheimnis?

Strohmaier: Die Einstellung. Ich sehe den Körper als Gefäß meines Lebens. Und da pass ich eben gut drauf auf. Ich gehe an die Grenzen, aber nie ins Extrem. Ich habe zum Beispiel nie einen Zehn-Kilometer-Lauf absolviert, sondern mache lieber regelmäßig ein bisschen etwas.

ICONIST: Wie sieht ein bisschen etwas in einer normalen Sportwoche bei dir aus?

Strohmaier: Morgens absolviere ich ein 15-Minuten-Programm. Mit Stabilisationsübungen wie dieser hier (stellt sich auf ein Bein und zieht das andere an). Außerdem mache ich Klimmzüge, dafür habe ich an der Garage extra eine Stange angebracht. Und auf jeden Fall rolle ich auf dem Rücken herum und mache eine Kerze. Hält die Bandscheiben geschmeidig. Ein, zwei Mal die Woche jogge ich, fünf Kilometer, am Ende mache ich Spurts und Gymnastik. Und zweimal die Woche gehe ich mit Karin (Ehefrau Nummer drei) tanzen. Aber das ist ja nicht wirklich Sport, sondern eher eine gesellige Angelegenheit.

ICONIST: Und gehst du nicht auch neuerdings ins Fitnessstudio?

Strohmaier: Ja, zwei-, dreimal die Woche. Das mache ich eigentlich, weil es gut fürs Tanzen ist. Beim langsamen Walzer tat der Fuß weh, und der Orthopäde meinte, ich müsse eben aufhören, er tanze auch nicht mehr. Aber eine Spiralgymnastikerin hat mir gezeigt, wie ich mich besser bewege und welche Muskeln ich dafür brauche. Nun schmerzt nichts mehr.

ICONIST: Und wie ist das so, als alter Herr in der Muckibude?

Strohmaier: Laut. Wenn ich komme, und es ist nicht so viel los, machen sie die Musik leiser. Andererseits finde ich da auch das eine oder andere Musikstück ganz gut, wie dieses „I am Only Human“.

ICONIST: Klingt aber nach übermenschlicher Disziplin, wie du das durchziehst.

Strohmaier: So viel ist das doch gar nicht. Ich habe noch genug Zeit für andere Sachen, für Klavier spielen und singen zum Beispiel, das ist gut fürs Hirn und gibt mir Energie. Joggen allein reicht einfach nicht. Dann kannst du gut laufen und sonst nichts. Ich frag mich am Ende der Woche: Hab ich auch alle Gelenke mal gedehnt und gedreht? Ich bleib eben lieber beweglich, statt fernzusehen.

ICONIST: Früher hast du „Dallas“ im Stehen geguckt. Es hat dich irgendwie gefesselt, aber du gönntest dir nicht, dich zu setzen. Ist deine Disziplin vielleicht ein Überbleibsel deiner Jugend im Zweiten Weltkrieg? Drill als Hobby?

Strohmaier: Natürlich hat Fitness auch etwas Preußisches, die Liegestütze, die ich heute übe, kommen sicher auch vom Militär. Aber als Junge Jahrgang 1936 war ich nicht mehr in der Hitlerjugend, ich habe stattdessen mit meinem Bruder und den Nachbarjungs gekickt. Eigentlich mache ich das immer noch am liebsten, einfach nur spielen.

ICONIST: Warum hast du dann vor ein paar Jahren nach vier Jahrzehnten dein Tennis aufgegeben?

Strohmaier: Da gab es so viele Trickser, die haben gesagt, mir tut das und das weh. Und dann haben die gewonnen! Oder sie waren verbissen, haben behauptet, der Ball war aus, wenn er ganz klar im Feld war. Außerdem fingen viele Tennisleute auch an, Golf zu spielen. Ich habe ja schon alles gemacht, geboxt, gerudert, geturnt. Aber Golf hat mich nicht gereizt, ich fand das ein Kinderspiel, nur so „bong“ (holt aus und deutet einen Schlag an).

ICONIST: Noch mal zur Disziplin: Du hast uns ja früher genervt, indem du uns die Kalorien auf dem Brot vorgerechnet hast. Bist du jetzt gnädiger?

Strohmaier: Ich versuche heute, nicht mehr so missionarisch zu sein. Ich weiß ja auch nicht, warum ich mich besser motivieren kann als andere. Das ist natürlich ein großes Geschenk. Aber ich merke, dass ich die Menschen indirekt noch unter Druck setze. Wenn ich Leuten erzähle, dass ich die 13 Kilometer in die Stadt meist mit dem Rad fahre, rechtfertigen sie sich, warum sie es nicht tun. Und es fällt mir immer noch schwer zu verstehen, warum die Menschen so viel fressen und saufen. Die sagen zwar, sie genießen das Leben, aber wie soll das denn gehen, wenn sie wegen ihrer Wampe kaum mehr fünf Kilometer zu Fuß schaffen? Da rechnet sich Disziplin doch mehr. Und ich genieße auch.

ICONIST: Was und wie denn?

Strohmaier: Ich lege viel Wert darauf, dass das Essen schmeckt. Deswegen bin ich nur Vegetarier und nicht Veganer. Haben wir ja mal ausprobiert. Aber ohne Käse, Milch und Eier, das war zu hart. Ab und zu trinke ich auch ein Weinchen. Aber nur eines. Und ich esse immer noch gern Bitterschokolade.

ICONIST: Hast du aktuell eigentlich einen Ernährungsguru?

Strohmaier: Ach, ich lese ständig dies und das, irgendetwas bleibt immer hängen. Zum Beispiel von Doc Fleck, einer Ernährungsmedizinerin. Die hat in der „Saarbrücker Zeitung“ geraten: „Schmeißt eure Bratpfannen in die Saar.“ Die Idee: Wenn die Fette zu heiß werden, entstehen Nitrosamine und die Vitamine gehen kaputt. Früher hätte ich die Bratkartoffeln richtig kross gebraten, jetzt brate ich sie nur noch schwach.

Doc Fleck bedeutet gutes Essen vor allem Genuss.

ICONIST: Bist du noch auf Frischkornbrei? Ich erinnere mich, dass das in den 80er- Jahren eine deiner Missionen war. Hattest du von diesem Vollwertkost-Prediger namens Dr. Bruker.

Strohmaier: Ich habe mal ein paar Jahre Pause gemacht, aber nun mahle ich wieder jeden Abend mit einer Kaffeemühle Gerste oder Roggen und lasse den Schrot über Nacht mit Wasser einweichen. Am Morgen kommen da ein Apfel und eine Banane rein, außerdem Joghurt und Leinöl, wegen der Omega-3-Fettsäuren. Das tut mir gut. Ich hab dir ja erzählt, dass ich auf der Tour zwischendurch den Blues hatte. Ich war wohl einfach auf Entzug. Und Dr. Bruker: Über den hab sogar ich früher gelächelt, heute mach ich genau das, was er empfohlen hat.

ICONIST: Zum Beispiel?

Strohmaier: Möglichst wenig Zucker essen. Früher hätte ich auf dem Weg hierher ständig in einer Bäckerei gehalten und Kuchen oder Kaffeestückchen gekauft. Tut mir aber nicht gut. Ich werde immer asketischer. Kaffee trinke ich schon lange nicht mehr. Wegen meiner Verdauung. Ich verstehe jetzt, was mir unser Freund Eugen in den 60ern gesagt hat, als wir in den USA wohnten: „Coffee disturbs my metabolism.“ Das Wort kannte ich gar nicht, Metabolismus. Jetzt weiß ich genau, was er meint.

ICONIST: Hast du eigentlich in den USA angefangen zu joggen?

Strohmaier: Ja, aber damals war ich der Einzige, die große Lauferei muss später angefangen haben. Vielleicht meinetwegen?

ICONIST: Wahrscheinlich hast du auch das Wort Work-Life-Balance erfunden. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, dass du dich überarbeitet hast.

Strohmaier: Ich habe mich nie sonderlich reingehängt. Aber früher war es auch üblich, pünktlich Feierabend zu machen, zumindest für Ingenieure wie mich.

ICONIST: Hat es deswegen auch mit der Karriere zum Schluss gehakt?

Strohmaier: Ich weiß nicht. Ich habe mich damals oft gefragt, woran es lag, was ich falsch gemacht habe. Hätte ich bei Boeing in Amerika bleiben sollen? Oder später bei MBB in München? Meine Freunde, die nicht so oft den Job gewechselt hatten, hatten viel steilere Karrieren. Andererseits: Ich habe auch das Scheitern gebraucht, um genau da zu sein, wo ich jetzt bin. Und ich lebe noch, und mir geht es blendend. Wäre ich Manager geworden, wäre ich jetzt vielleicht tot.

Wie schaut es wohl mit dem Beruf des Managers aus?

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Was Ihr Job über Ihr Liebesleben verrät

ICONIST: Ja, vom Ende gedacht, sieht die Bilanz richtig gut aus. Ich habe zumindest jetzt viel mehr Verständnis für deinen Weg. Hast du noch ein paar Tipps für mich, um so gut alt zu werden wie du?

Strohmaier: Beten und fasten.

ICONIST: Wie, du betest? Und fastest?

Strohmaier: Nein, Witz. Ich halte nichts vom Fasten, das ist mir zu extrem. Aber ich meditiere jeden Tag nach dem Aufwachen, im Liegen. Dann versuche ich, mich mit meinen Krafttieren zu verbinden, das habe ich noch aus meiner Esoterikzeit mit meiner zweiten Frau. Bei mir sind das Fledermäuse. Die sehen ja nicht wie wir mit den Augen, sondern per Ultraschall. Ich unterhalte mich also mit ihnen und bitte sie um Informationen. Und so landet man plötzlich auf dem Fahrrad in Berlin.

ICONIST: Ah, doch noch eine letzte Frage. Verrätst du unseren Lesern das Geheimnis deines vollen Haares?

Strohmaier: Klar. Birkenhaarwasser, das billige. Damit massiere ich mir täglich die Kopfhaut. Hat mir mein Vater empfohlen, der hatte schon mit dreißig eine Glatze.

Bildquelle: Mark Oliver