Radfahren ist zweifelsohne umweltschonend. Der Antrieb Mensch arbeitet ökologisch; Praktisch Null g CO2 pro km – anders als das mit fossilen Brennstoffen betriebene Auto. Zudem fördert es die Gesundheit des fahrenden Menschen und die Zahl und Schwere der verletzten und getöteten Menschen und Tiere ist geringer. Wie kommt es, dass das Fahrrad in den Verkehrssystemen dennoch zu kurz kommt?Ich selbst war lange Zeit beim ADFC  (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club), aktiv weil ich glaubte, damit etwas für die Umwelt tun zu können. Näheres dazu habe ich in meinem Buch geschrieben. Leider musste ich feststellen, dass die Macht der Autofahrer über den ADAC, die Parteien und Medien bisher weitgehend verhindert hat, den Radverkehrsanteil etwa im Saarland deutlich zu erhöhen. Die Menschen kaufen immer größere und schnellere Autos, Radwege weden nicht in der erforderlichen Menge zur Verfügung gestellt und die Autofahrer bekommen immer mehr rechtsfreie Räume zum Schaden der Schwächeren. Diese Macht der Autofahrer reicht selbst in die Interessenvertretung der Radfahrer, den ADFC, hinein.

In einem Interview der Saarbrücker Zeitung vom 4.4.2017 nahm ein Vertreter des ADFC wie folgt Stellung:

„Es ist vor allem eine Frage der Mentalität“

Saarbrücken Das Saarland ist kein Fahrrad-Land, sagt Jan Messerschmidt vom Fahrradclub ADFC Saarbrücken – und erklärt, woran das liegt.

Herr Messerschmidt, warum kommt das Rad hierzulande nicht in die Gänge?

MESSERSCHMIDT Es ist vor allem eine Mentalitätsfrage, sowohl bei den Nutzern als auch bei den politisch Verantwortlichen. Einige sehen den Saarbrücker Fahrradbeauftragten gar als unnötigen Posten. Die Ziele, die man sich für den Ausbau der durchgängigen Radwege 1999 gesetzt hatte, sind immer noch nicht erreicht. Dann sollte Saarbrücken eigentlich ein E-Bike-Verleih-System bekommen. Die Oberbürgermeisterin hat das Vorhaben mit der Begründung, die Anschlussfinanzierung sei nicht gesichert, gestoppt.

Ist es also auch eine Geldfrage?

MESSERSCHMIDT Nicht in erster Linie. Nehmen Sie die Stadt Hamburg. Dort ist die Radverkehrs-Infrastruktur schlechter als in Saarbrücken. Trotzdem erzielt die Stadt mit wenig Geld ein besseres Ergebnis. Das liegt an einer besseren Planung. Dazu gehört auch die Beschilderung. Radfahrer werden auf die Belange von Autofahrern hingewiesen, umgekehrt ist das selten der Fall. Lösungsvorschläge?

MESSERSCHMIDT Dillingen geht mit gutem Beispiel voran. Dort werden radgeeignete Straßen gesondert markiert. Fahrradfreundliche ÖPNV-Angebote können ein Anreiz sein. Aber auch Initiativen: Rad-Spenden an Flüchtlinge haben den Radleranteil in Saarbrücken jüngst

deutlich ansteigen lassen.

Hierzu schrieb ich den folgenden Leserbrief, den die Zeitung am 15.4.2017 abdruckte:

<Hallo Redaktion,

zum Artikel „Ist das Rad auf der richtigen Spur?“ und dem Interview mit Jan Messerschmidt vom ADFC am 4.4.2017 hier meine Meinung:

Angesichts der Klimakatastrophe wäre das Radfahren eine gute Möglichkeit, dagegen zu steuern. Abgesehen davon würde es auch der eigenen körperlichen und seelischen Gesundheit gut tun. Dass das Radfahren gerade im Saarland von der autofixierten Mehrheit immer wieder ausgebremst wird musste etwa die Vertretung vieler Radfahrer – nämlich der ADFC, bei dem ich zeitweise auch mitgewirkt habe – immer wieder feststellen. Aber die dem Auto-Hype zugunde liegende Denke prägt offensichtlich nicht nur Ihre Zeitung sondern auch die des ADFC. Sonst wären einem langjährigen Mitglied des ADFC wie Dr. Jan Messerschmidt vielleicht bessere Lösungsvorschläge eingefallen als nur die komischen Radstreifen in Dillingen. Die Radfahrer müssen endlich daran gehen, den Autofahrern ihr schädliches Verhalten zu verdeutlichen und den Schutz ihrer Gesundheit und Lebensbedingungen einzufordern; Auch von sich wenn sie selbst Auto fahren. Der ADFC wird langfristig – wie alle Umweltschützer – nicht darum herum kommen, diese Aufgabe aktiv anzugehen wenn sie die zu erwartenden Schädigungen vermeiden wollen.>

Ich hoffe es wird deutlich wie schwierig es ist, an der verfahrenen Situation etwas zu verändern. Es wäre unbedingt notwendig, dass die Autofahrer selbst das Gefährliche an ihrem Verhalten erkennen und so eine Veränderung ermöglichen. Andernfalls müssen wir alle langfristig mit schlimmen Folgen rechnen.